Hospitation

Alessa Knurs Erfahrungsbericht bei Sopranistin Natalie Stercken:

 

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Alessa Knur, eine junge, sypathische Stimmbildnerin, hat während ihrer Ausbildung an der CJD Schule Schlaffhorst-Andersen (4. Semester) in Bad Nenndorf ihr Praktikum im Dezember 2013 bei mir im Atelier für Gesang absolviert. Während dieser Zeit hat sie den Unterrichtsstunden beigewohnt, Einsingübungen übernommen und mit mir zusammen an Eurem Stimmsitz und der Atemtechnik gearbeitet.

Erfahrungsbericht – meine Praktikumszeit bei Natalie Stercken

In meiner bisherigen Praktikumszeit habe ich schon einige Gesangsschüler kennen gelernt. Die Gesangsschüler waren meistens ein wenig schüchtern, weil sie wussten, dass ich den Unterricht mitverfolge. Aus diesem Grunde habe ich meistens vermieden die Gesangsschüler direkt anzugucken. Ich habe mir davon erhofft, dass sie weniger aufgeregt sind.

Meine „Taktik“ änderte sich allerdings als ich zu Natalie kam. Ich bemerkte nach kurzer Zeit, dass nicht nur Natalie, sondern auch ihre Schüler mich aktiv mit in den Unterricht einbeziehen wollten. So passierte es das ein oder andere Mal, dass wir zusammen über eine bestimmte Situation im Unterricht scherzten und lachen mussten.

Natalie ist immer ganz bei der Sache, wenn sie unterrichtet. Sie konzentriert sich nur auf den Schüler, auf seine Stärken und Schwächen bei bestimmter Literatur. Doch vor allem hat sie immer ein offenes Ohr, wenn sie merkt, dass der Schüler von persönlichen Problemen abgelenkt ist. Jeder Schüler ist für sie einzigartig, bringt seine ganz eigene Note mit in den Unterricht und ist bei ihr immer willkommen.
Es begeistert mich sehr, dass Natalie diese Einzigartigkeit jedes Einzelnen fördert. Jedes Übungsangebot wird noch einmal auf den Schüler abgestimmt.
Die Literatur versucht Natalie ihren Schülern näher zu bringen, indem sie mit ihnen die Emotionen der Protagonisten erarbeitet und so wird der Schüler aufgefordert sich in die Lage des Protagonisten hinein zu versetzen, wenn er singt.

Es gibt vieles zu beachten, um ein Stück seinen Zuhörern gut vermitteln zu können und einiges war mir auch schon vor meiner Praktikumszeit bei Natalie bekannt. Doch etwas sehr essentielles, die Emotion, habe ich mehr oder weniger außer acht gelassen.
Es gab einmal eine Situation, da kam ein Schüler aufgelöst und verzweifelt in den Unterricht. Es war von Anfang an ersichtlich, dass etwas in ihm brodelte, das unbedingt raus musste. Natalie erfuhr von dem Schüler, dass er zur Zeit schlaflose Nächte hatte und begann mit diesem Wissen im Hinterkopf ein paar Einsingübungen. Nach den Einsingübungen wurde das Stück erarbeitet. Der Schüler sang wenige Zeilen und fing, bei einer für ihn besonders passenden Zeile zu seiner Befindlichkeit, an zu weinen.
Es war eine bloße Zeile aus wenigen Wörtern, das ist es wohl immer, doch wie man sie interpretiert und was man für Gedankengänge mit ihr verknüpft, ist von großem Ausmaß.
Unsere Stimme ist ein Teil unseres Selbst und das, was wir singen und interpretieren, wenn wir es denn verinnerlichen, verbinden wir mit unserem Selbst. Die Folge daraus sind Emotionen, die ausgelöst werden und Erfahrungen, die uns durch dieses Stück wieder bewusst werden.
Lässt man die ausgelösten Emotionen zu, dann fühlt man sich danach gelöster und kann sich zudem noch besser mit der Literatur auseinander setzen.
Ich durfte bei Natalie lernen, dass die Arbeit an der Stimme immer mit Emotionen und eigenen Erfahrungen verknüpft ist.

Natalie ist eine bemerkenswerte Lehrerin, sie erkennt, dass ein Schüler den Tränen nahe ist und bietet ihm den Raum, dass es eben passieren kann.
Ich habe beobachten können, dass sich die Offenheit sehr positiv auf die stimmliche, persönliche Entwicklung und die Schüler-Lehrer Beziehung auswirken kann.

Bei Natalie durfte ich mich bereits in der ersten Woche selbst versuchen und so gestaltete ich die Einsingübungen für die jeweilige Stunde. Die Einsingübungen mit dem Schüler zu gestalten, stellten meistens keine große Schwierigkeit dar. Allerdings kann ich mich erinnern, dass ich einmal einen Schüler eingesungen habe und die dazu angebotene Bewegung nicht gefruchtet hat. Zu meinem Glück hat Natalie immer zugeguckt, eingegriffen und mir aus der Ratlosigkeit heraus geholfen.
Bei einer anderen Stunde habe ich bereits mehr als nur die Einsingübung gestaltet. Insgesamt ist es sehr gut verlaufen und Natalie hat die Stunde laufen lassen und war dennoch aktiv, wenn ich in der Situation Fragen hatte.
Für mich war es sehr angenehm zu wissen, dass ich mich selbst ausprobieren darf aber immer noch Natalie da ist, die mir im Fall des Falles zur Seite steht.

Nach nahe zu jeder Stunde habe ich mit Natalie über die vergangene Unterrichtsstunde gesprochen. Wir haben uns zusammen viele Gedanken über die vergangene Unterrichtsstunde gemacht. Die Nachbesprechungen waren für mich immer sehr wichtig, da ich oft eine Situation beobachtet und Fragen dazu hatte. Auch in dieser Situation hat Natalie sich die Zeit für meine Fragen genommen.
Nicht nur Fragen zu den Unterrichtsstunden, sondern auch meine persönlichen Fragen zu meiner stimmlichen Weiterentwicklung, hat sie sich zu Herzen genommen und mich mit klassischer Literatur meiner Problematik und der Lösung dieser Problematik näher gebracht.

Besonders schön finde ich das Angebot der Vorstellungsbilder, die Natalie ihren Schülern vermittelt, so sagte sie einmal: „ Stell dir vor du bist ein Hefekloß und du wächst bis du den letzten Ton gesungen hast.“ oder „ Stell dir vor du räkelst dich auf einem Flügel, während du das singst.“.
Die zwei Vorstellungsbilder sind komplett verschieden und die zu erarbeitende Literatur ist es auch. Natalie findet für jedes Stück ein passendes Vorstellungsbild, um es ihrem Schüler näher zu bringen.

Leider ist die Zeit bei ihr sehr schnell vergangen, doch trotz begrenzter Zeit, habe ich sehr viel Input bekommen und neue Erfahrungen sammeln können.
Dafür danke ich Natalie von Herzen!

Dankeschön :)

Weitere Infos über die Schule unter www.stimmprofis.de

Es bestehen Hoptitationsmöglichkeiten /Praktikumsplätze für Schüler, Studenten und Auszubildende oder Schüler die ein Gesangsstudium anstreben.